Projekt

Entwicklung und Erprobung iPad-gestützter Weiterbildungs-szenarien: Träger, Förderung, Ziele, Erfahrungen

1. Träger und Förderung

weiterbildung-digital ist ein Modellprojekt der Partner
     Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz e.V.
     Bildungswerk Sport des Landessportbundes Rheinland-Pfalz e.V.
     medien+bildung.com gGmbH, Lernwerkstatt Rheinland-Pfalz

Die Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung in Rheinland-Pfalz e.V. (Leb) mit Sitz auf der Ebernburg in Bad Kreuznach organisiert und fördert die Weiterbildung im ländlichen Raum. Ihre insgesamt 10 Mitglieder sind die rheinland-pfälzischen Landfrauenverbände, Bauern- und Winzerverbände, Landjugendverbände, die Landwirtschaftskammer, die Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik und der Verband der landwirtschaftllichen Fachschulabsolventen. Die Leb ist eine der sieben staatlich anerkannten Landesorganisationen für Weiterbildung in Rheinland-Pfalz. Neben Angeboten in den klassischen Weiterbildungsbereichen wie Gesundheit, Gesellschaftspolitik und Kommunikation gibt es ländliche "Spezialitäten" rund um die Meisterausbildung in den grünen Berufen, Hofübergabe, Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Agrarbotschafter/innen u.a. Im Modellprojekt weiterbildung-digital hat die Leb die Projektleitung.

Das Bildungswerk des Landessportbundes Rheinland-Pfalz e.V. war die erste Weiterbildungsorganisation im deutschen Sport. Jetzt gestaltet es mit Leidenschaft die Zukunft.mit wegweisenden Konzepten, Themen und Veranstaltungsformen. Das Bildungswerk sorgt für mehr Gesundheit in unserer Gesellschaft, für mehr soziale Kompetenz bei den Menschen, für mehr Integration in unserem Land, für mehr Begegnungen zwischen Individuen, für mehr Mobilität und Kontakt zwischen Personen unterschiedlicher Kulturen. Das Bildungswerk des Landessportbundes ist in Rheinland-Pfalz, gemessen an den jährlichen Weiterbildungsstunden, die größte staatlich anerkannte Weiterbildungsorganisation in freier Trägerschaft. Im Modellprojekt stellte das Bildungswerk Sport als Projektpartner der vom ländlichen Raum geprägten Weiterbildung der Leb die Weiterbildung in der vielfältigen Welt des Sports zur Seite.

medien+bildung.com (m+b.com) gGmbH mit Sitz in Ludwigshafen ist zuständig für die Entwicklung und Begleitung von Medienkompetenz-Projekten in Rheinland-Pfalz. Als Tochter der Landeszentrale für Medien und Kommunikation RLP (LMK) kooperiert m+b.com mit einer Vielzahl an Einrichtungen entlang der Bildungskette – angefangen mit dem Medienpädagogischen Erzieherinnen Club (mec) über zahlreiche Medienprojekte an Ganztagsschulen und in der Jugendarbeit, Lehraufträgen an Universitäten im Land bis hin zur Erwachsenenbildung. Im Modellprojekt weiterbildung-digital bringt m+b.com seine Expertise in den Bereichen Medienbildung, Konzeptentwicklung und technische Infrastruktur ein.

Projektlaufzeit: März 2014 bis Februar 2016

Förderung: Gefördert aus Mitteln des
Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz (MBWWK)

Projektkosten: ca. 85.000 Euro
Projektförderung des MBWWK: 65,8 %

Die Projektträger bedanken sich herzlich beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz für die Projektförderung und die aktive Begleitung. Ein Dank gilt auch den Teilnehmenden an den Projektveranstaltungen für ihre Bereitschaft, neues Lernen zu erproben und zu beurteilen.

2. Ziele von weiterbildung-digital

Das Lernen mit und über digitale Medien stellt im digitalen Zeitalter eine wesentliche Kulturtechnik dar. Medienkompetente Lernende sind in der Lage, die Vorteile der digitalen Medien für sich zu nutzen und deren etwaige Risiken einzuschätzen. Im Projekt weiterbildung-digital werden hierzu Beispiele und konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt, erprobt, dokumentiert und transferiert.

2.1. Mediale Kursräume eröffnen

In Ergänzung zu Seminaren, bei denen sich die Lernenden in einem Seminarraum begegnen und zusammenarbeiten, gibt es Online-Kursräume. Bei dieser Mischform aus Präsenz- und Onlinelernen spricht man von Blended Learning. Als Online-Portale sollen die Lehr-Lern-Plattform "Moodle" und das ePortfolio-System "Mahara" genutzt werden. Beide Plattformen sind Open Source.

2.2. Lernen zu jeder Zeit ermöglichen

Lernen ist ein individueller Prozess. Jeder Lernende hat hierbei sein eigenes Lerntempo, seine persönlichen Vorlieben und einen individuell strukturierten Tagesablauf mit oft nur wenigen Zeitanteilen für Weiterbildung. Aus diesem Grund wollen wir Lernangebote erproben, bei denen die Lernenden selbst entscheiden können, wann und in welchem Tempo sie lernen.

2.3. Präsenzzeit primär für eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Thema nutzen

Flipped Classroom-Konzepte verfolgen das Ziel, die Zeit, die eine Weiterbildungsgruppe im Seminar miteinander verbringt, vorrangig für Klärung von Verständnisproblemen, Gruppenarbeit und Vertiefung des neuen Wissens zu nutzen. Zur  Stoffvermittlung produzieren Dozenten Unterrichtsvideos (Tutorials) und stellen diese den Lernenden als „Hausaufgabe“ zur Verfügung. Der Unterrichtsstoff kann online angesehen und nach Bedarf wiederholt werden. In der Präsenzveranstaltung ist damit mehr Zeit für die vertiefende Aufarbeitung.

2.4. Weiterbildung an einem Ort eigener Wahl ermöglichen

Die Anmeldezahlen in der Weiterbildung sind tendenziell rückläufig, obwohl der Bedarf und das Interesse an Weiterbildung nicht abgenommen haben. weiterbildung-digital will daher Szenarien erproben, bei dem Kursanteil als Webinar veranstaltet werden. Zum gemeinsamen Lernen muss keiner der Beteiligten anreisen, sondern jeder arbeitet an einem Ort seiner Wahl vor einem Rechner. Gerade im ländlichen Raum mit seinen oft langen und zeitraubenden Wegen zum Veranstaltungsort kann das Home Learning Zeit sparen wirken.

2.5. Medienkompetenz vermitteln / verbessern

Trotz beeindruckender Verkaufszahlen besitzen viele Menschen kein Tablet/Smartphone, darunter viele ältere Menschen und Frauen, zumal im ländlichen Raum. Auch geht der Besitz eines Tablets/Smartphomes nicht zwangsläufig mit der Kompetenz zu einer weitgefächerten Nutzung einher. Wir wollen im Rahmen von weiterbildung-digital Einsteigern Kenntnisse im Umgang mit den Geräten vermitteln und Fortgeschrittenen die Geräte als Medium des Lernens nahe bringen.

3. Erfahrungen und Erkenntnisse

3.1 Herausforderungen

2014 standen die Partner bei Projektbeginn vor der Aufgabe, die für ihre Zwecke bestmöglich geeignete technische Ausstattung zu beschaffen. Details dazu finden sich unter Technik. Angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich der Tablet-Technik war es in manchen Fällen bedauerlich, dass die Bindung an den bereits 2013 gestellten Projektantrag kein Umschwenken auf die zum Kaufzeitpunmklt bereits teilweise verbesserte Technik erlaubte.

Ab Herbst 2014 kam die Technik in konkreten Weiterbildungskontexten zum Einsatz. Durch Elternzeit, Teilzeit und letztlich Fortgang des Projektleiters bei der Leb waren partielle Änderungen auf Seiten der Leb erforderlich. Dies brauchte Zeit, führte jedoch in der Folge zu einer gut aufgestellten Fortsetzung des Projekts.

Im Winter 2015/16 galt es, die gemachten Erfahrungen für den Projektabschluss zu bündeln. Tüftelei war erforderlich, um die zu Projektbeginn angelegte Webseite weiterbildung-digital.de für die Dokumentation des Projekts tauglich zu machen. Die gewählte Seitenstruktur mit der Kacheloptik erwies sich vielfach als sperrig und erlaubte nur eingeschränkt die Darstellung des lebendigen Projektgeschehens. In Ermangelung ausreichender Administratorenrechte konnten die Projektträger die benötigte Umstrukturierung der Webseite nicht selbst vornehmen, sondern mussten sie bei der Webagentur in Auftrag geben und außerhalb des Projektbudgets finanzieren. Die jetzt bestehende Seite ist ein Kompromiss aus Anforderungen und Kosten.

3.2 Erfolge und Erkenntnisse

Hier im Überblick skizzieren wir das Projekt nur in Grundzügen. Detaillierte Erfahrungsberichte und Bewertungen haben wir im Kontext der Ausführungen zu Methoden, Praxis und Technik platziert.

Auf der Haben-Seite verbuchen wir vor allem folgende Aspekte:

  • Mentale, kognitive und praktische Weiterentwicklung
    für Bildungseinrichtungen, Lehrende und Lernende durch die Auseinandersetzung mit weiterbildung-digital als einem neuen Thema und Handlungsfeld
  • Erweiterung der Medienkompetenz
    iPads samt Begleitausstattung in technischer wie auch didaktischer Hinsicht nutzen können
  • Größerer Methodenrahmen für Lehrende und Lernende
    Mehr Auswahl an Möglichkeiten, Themen zu vermitteln, Lernergebnisse zu dokumentieren und
  • Erfahrung, dass raum- und zeitunabhängiges Lernen funktioniert,
    wenn wichtige Parameter berücksichtigt werden
  • Erkenntnis, dass Online-Lernen nicht von allen Teilnehmenden positiv gesehen
    und die bisherige Präsenzpraxis angesichts gegebener Stärken weiter Bestand haben wird
  • Mangel an Lehrenden mit Kompetenz und Zeit für die Erstellung von digitalen Lerninhalten
    Unsere Lehrenden stecken vielfach in dem Dilemma, über die Kompetenz, aber nicht über die Zeit zu verfügen – oder umgekehrt.
  • Ohne "train the trainer" durch unsere Einrichtungen geht es nicht
    Wir müssen selbst aktiv werden, um ausreichend Nachwuchs an qualifizierten  Lehrenden zu gewinnen.
  • Imagegewinn für Weiterbildungseinrichtungen und Lernende
    Der Tablet gestützten Weiterbildung haftet (aktuell noch) ein fortschrittliches Image an, sie erweckt Aufmerksamkeit und ermöglicht den Einrichtungen einen Zugang zu jüngeren Zielgruppen.

Wichtig ist uns die Erkenntnis, dass reine eLearning-Szenarien für die heutigen Zielgruppen in unseren Einrichtungen höchstens im Ausnahmefall denkbar sind. Wir sind gut beraten, die besonderen Qualitäten der Präsenzveranstaltungen weiter zu pflegen und sie durch Online-Elemente für Lernende und Lehrende sinnvoll ergänzen. Für Szenarien des Blended Learning sehen wir ein großes Potenzial.

Um es in einem ländlichen Bild auszudrücken: Durch das Modellprojekt ist bei Leb und Bildungswerk Sport der Samen des digitalen, mobilen Lernens gesät worden. Er ist aufgegangen und hat erste Früchte hervorgebracht. Nun gilt es, das Feld für einen quantitativen und qualitativen Zuwachs nachhaltig zu bestellen.